Kategorien
Allgemeines Arbeitsgruppen berichten Neues News Uncategorized

Schatz, so geht’s nicht!

2019 haben wir bei der Bebauung des Grundstückes zwischen Kiefernstraße und Erkrather Straße Mitspracherecht für die Gestaltung unseres Quartiers eingefordert. Aus unserer Forderung „Schatz wir müssen reden“ ist Anfang 2020 die „Planwerkstatt 378“ entstanden. Seitdem nehmen wir im Rahmen der Planwerkstatt 378 Einfluss auf die Projektentwicklung des Investors Cube Real Estate (CRE) und setzen uns aktiv und konstruktiv für die Gestaltung eines lebenswerten Quartiers ein.

Jetzt mussten wir durch Zufall und gut versteckt auf einer Internetseite der Stadt herausfinden, dass CRE der Bezirksvertretung 2 den Vorschlag für ein „Workshopverfahren zur Umgestaltung des B8-Centers“ vorgelegt hat. Dabei bezieht sich CRE ausdrücklich auf die „sehr guten Beteiligungserfahrungen auf dem Nachbargelände an der Erkrather Straße (aus der Planwerkstatt 387 http://planwerkstatt378.de/)“. 

Schatz, so geht’s nicht. Seit über einem Jahr arbeiten wir mittlerweile gemeinsam. Es war nicht immer einfach, aber wir bewegen uns auf ein gutes Ergebnis zu. Die Planwerkstatt 378 wurde in großen Tönen gelobt – nicht zuletzt von Vertretern aus der Politik und Verwaltung. Der Prozess soll Schule machen, ein Vorbild sein dafür, wie Projektenwickler mit Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam planen. Aber jetzt, Schatz, redest du wieder nur über uns und nicht mit uns. Ganz offensichtlich hast du noch nicht begriffen, was die Planwerkstatt 378 ausmacht. Wir erklären es dir. 

Die Planwerkstatt 378 steht nicht für die Inszenierung schöner Veranstaltungen, nicht für das Ruhigstellen aufmüpfiger BürgerInnen und nicht für das bequeme Abgreifen ihrer Expertise. Bürgerbeteiligung im Sinne der Planwerkstatt 378 ist auch nicht etwas, das Investoren den BürgerInnen nach Gutsherrenart gewähren. Es ist kein Prozess, der in paternalistischer Weise von Projektentwicklern und Stadtplanern diktiert werden kann, indem die Bürgerinnen und Bürger „auf Grundlage von verschiedenen Entwurfsvarianten des Architekturbüros MVRDV, zur Mitwirkung aufgefordert werden“. 

Beteiligung im Sinne der Planwerkstatt 378 ist das Recht von BürgerInnen an der Gestaltung ihrer Stadt. Es ist ein Recht, das von den BürgerInnen selbst eingefordert und wahrgenommen werden kann – ohne dass es dafür einer gnädigen Einladung des Investors bedarf. Ergebnisse können nur in einem transparenten und offenen Austausch mit dem Investor auf Augenhöhe erzielt werden, denn die BewohnerInnen und NutzerInnen einer Stadt sind die Stadt und wollen diese aktiv und selbstbestimmt gestalten. 

Dieser Austausch gelingt nicht immer: Während Investoren die Stadt aus der Vogelperspektive und unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Interessen gestalten, nehmen die Bürger-

Innen ihre Stadt aus der Zaunperspektive wahr – ihr Wissen und ihre Kompetenzen betreffen die Alltagserfahrung in einer Stadt und sind damit Grundvoraussetzung für die Gestaltung einer lebenswerten und sozialen Stadt. Die Kommunikation zwischen diesen beiden Sichtweisen ist von beiden Seiten gewünscht und deswegen sollte sie auch von allen praktiziert werden. Die Planwerkstatt 378 ist ein Forschungslabor auf der Suche nach einem Übersetzungswerkzeug. Diese Kommunikationskompetenz ist nicht vom Himmel gefallen, sondern historisch im Umfeld des Biotops der Kiefernstraße gewachsen. Sie zu fördern Bedarf eines Raums der Auseinandersetzung. Die Plangruppe versucht diese Kompetenz innerhalb der Bevölkerung zu stärken und zu übersetzen, sicherlich nicht perfekt aber wir machen weiter. 

Das ist der Kern dessen, wofür die Planwerkstatt 378 steht. Wir dachten, dass unser Schatz Cube Real Estate das mittlerweile verstanden hätte. Offensichtlich nicht. Das jetzt konzipierte Workshopverfahren zeigt uns vor allem Methodenzauber, aber kein Verständnis für die tragende Rolle der BürgerInnen zur Gestaltung ihrer Stadt.

Schatz, so geht’s nicht. Aber keine Sorge: So schnell wirst du uns nicht los.